Stimmungsvolle Abendexkursion in die Widen Neunkirch
Über 25 Vogelarten, darunter 1 überfliegender Bienenfresser als Highlight, brachten die Kulturlandschaft «Widen» bei Neunkirch wunderbar zum Ausdruck. Unterwegs und vor allem beim Weiher konnten die Gesänge von mind. 3 Nachtigallen, 2 Gartengrasmücken, einer Mönchsgrasmücke und Dorngrasmücke gut gehört längere Zeit auch verglichen werden.
Exkursionsleiter Stephan Trösch, der das Gebiet seit Ende der 1980er-Jahre kennt, begrüsste beim Schwimmbad Neunkirch rund 15 Personen aus unserem Verein, dem Partnerverein → Corvus Beringen sowie zwei Gäste aus Neunkirch. Sie alle folgten der Einladung zum Abendspaziergang in die Widen.
Als Auftakt der entdeckten und beobachteten Vögel wurde gleich zu Beginn ein Paar des Neuntöters in einer Hecke ausgemacht und unweit auch eine Goldammer und ein Schwarzkehlchen. Ein männlicher Turmfalke liess sich längere Zeit aus der Nähe sehr gut studieren, während aus der Ferne bereits eine singende Nachtigall zu hören war. Beim Weiher liessen sich dann mindestens 3 Individuen lokalisieren und ihr vielseitiger, lauter Gesang vermochte zu begeistern. Die auf der Roten Liste der bedrohten Vogelarten der Schweiz stehende Gartengrasmücke (ihr Status wurde bei der letzten Revision 2021 um zwei Stufen verändert auf «verletzlich» eingestuft) wurde mit ihrem weichen, modulierenden Gesang gleich zweimal gehört. Als Langstreckenzieherin kommt sie Ende April aus dem Winterquartier zurück und ist im Klettgau verhältnismässig noch gut vertreten. Ihre Verwandte, die Dorngrasmücke, ebenfalls eine Langstreckenzieherin, hat in den letzten Jahren im Kanton SH und insbesondere in den Widen stark zugenommen. Sie dürfte von den langjährigen Aufwertungsmassnahmen im Kulturland und auch vom wärmer gewordenen Klima profitieren.

In den Gesprächen rund um die Vielfalt der Vögel in dieser Landschaft wurde allgemein erwähnt, dass die Feldlerche nicht mehr so häufig wie früher zu hören sei. Tatsächlich ist es um diese einst weitverbreitete Art des Kulturlands nicht mehr so gut bestellt. Im schweizerischen Mittelland ist ihr Vorkommen auf letzte Bastionen zusammengeschrumpt, in mehreren Kantonen, wie zum Beispiel Zürich, scheint sie ganz verschwunden zu sein. Sie steht denn auch als «verletzlich» in der Roten Liste. Eine im Kanton SH durchgeführte Bestandsaufnahme im Jahr 2022 ergab noch einen hohen Wert mit rund 850 Revieren, von denen über die Hälfte im Klettgau lagen. Doch zeigen jährliche lokale Erhebungen einen schleichenden Abwärtstrend dieser Art – kein gutes Zeichen! — Nachstehend finden sich → Detailinformationen zur kantonalen Bestandsaufnahme der Feldlerche.


Eine weitere Vogelart des Kulturlands, die Grauammer, konnte leider nicht gehört werden. Es ist auch fraglich, ob sich diese schweizweit vor dem Aussterben bedrohte Vogelart, im Klettgau wieder etablieren kann. Bis noch vor rund zehn Jahren war sie der eigentliche «Star» mit z.T. über 10 Revieren im Kerngebiet der Widen, nicht zuletzt dank den Buntbrachen, die mit herausragenden rund 17% der Gesamtfläche im Vergleich zur übrigen Schweiz weit überdurchschnittlich angelegt wurden. Die Gründe für das Verschwinden der Grauammer sind unklar. Allerdings gibt es Regionen in der Schweiz, wo sie überraschenderweise eine Renaissance erlebt. Nachstehend findet sich ein→ Beitrag zum Vorkommen der Grauammer im Kanton SH.
Eine weitere Art, die sich leider nicht vernehmen liess, war die Wachtel. Umgekehrt und überraschend konnten einige der Exkursionsgruppe die typischen, rollenden Rufe eines überhinfliegenden Bienenfressers hören. Diese ausgesprochen mediterrane Art dehnt ihr Verbreitungsgebiet parallel zur Klimaerwärmung langsam gegen Norden aus. Sie hat 2010 zum ersten mal im Kanton SH gebrütet, seither aber nicht mehr. Siehe den Beitrag von Stephan Trösch auf seiner Webseite → Der Bienenfresser als Brutvogel im Kanton Schaffhausen.
Mit der Beobachtung dieses Highlights fand diese Abendexkursion nach rund drei Stunden einen schönen Abschluss. Vielen Dank an alle, die zu diesem Anlass gekommen waren.
