Vogel der Monate Oktober und November: Der Kranich

Der Kranich zählt zu den spannensten Zugvögeln, die im Oktober und November in unserer Region gesehen werden können. Als Brutvogel im Norden Europas und in weiten Teilen Russlands verbringt der Kranich das Winterhalbjahr hauptsächlich im Mittelmeerraum, in Spanien und Nordafrika. Die Zugwege verlaufen quer durch Deutschland und Frankreich, seit einigen Jahren zunehmend auch in einem «Winkelzug» via Ungarn, Österreich, dann Richtung Bodensee und durch die Schweiz. — Wer im Herbst schon einmal an der Ostsee weilte, kennt die riesigen, aus tausenden Individuen starken Trupps Kraniche, die sich an Schlafplätzen sammeln können. Dies ist ein Spektakel, das man sich einmal im Leben nicht entgehen lassen sollte.

Die Verbreitung des Kranichs liegt im europäischen Westen bis auf die Höhe von Skandinavien und Ostdeutschland und dehnt sich ostwärts über Russland, die Ukraine bis nach Sibirien aus. Der gesamteuropäische Bestand (inkl. Russland) liegt bei ca. 150’000 Brutpaaren (2019). Davon entfallen auf Deutschland 7000-8000 Brutpaare. Der Lebensraum des Kranichs umfasst Erlen- und Birkenbruchwälder, Nieder- und Hochmoore sowie Feuchtgebiete in Heidelandschaften. Zu den Zugzeiten sammeln sich riesige Trupps an Schlafplätzen, z.B. entlang der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern. Tagsüber halten sich Kraniche zur Nahrungssuche weit verteilt im Kulturland auf, wo sie die abgeernteten Maisfelder nach Körnern absuchen.

Ziehende Kraniche werden fast alljährlich in der Region Schaffhausen beobachtet. Meistens machen sie sich durch ihre markanten Rufe bemerkbar, bevor der ziehende Trupp am Himmel ausgemacht werden kann. Nicht selten werden ziehende Kraniche auch nachts bemerkt. Trupps können einzelne, 20 bis 50, seltener auch 100 und mehr Individuen umfassen. Ähnliche wie Gänse und Kormorane ziehen auch die Kraniche meistens in Keilformation, angeführt von erfahrenen Leitvögeln.

Der Kranichzug beginnt zögerlich um Mitte Oktober, verstärkt anfangs bis Mitte November und klingt danach aus. Auf dem Zug orientieren sich die Vögel gerne an Leitlinien, wie dem Rheinlauf. Die Chance ist gross, z.B. über der Stadt Schaffhausen Kraniche ziehen zu sehen, aber auch sonst im Bereich des Hochrheins und des Klettgaus.

Kraniche (Familien), 09.10.2013, Barth, Mecklenburg-Vorpommern, Foto S. Trösch

Steckbrief: Kranich

Etwas grösser als ein Graureiher und auf den ersten Blick leicht mit ihm zu verwechseln, vor allem im Flug. Ein grosser, schlanker Schreitvogel mit sehr langen Beinen. Körperfarbe mehrheitlich grau/dunkelgrau, ähnlich dem Graureiher, von diesem aber durch kürzeren Schnabel und dunkler Färbung an Kopf und Hals unterschieden. Flügelspannweite mit 180-220cm deutlich grösser als beim Graureiher (150-175cm).

Vom Tages- zum Schlafplatz fliegende Kraniche, 12.10.2013, Barth, Mecklenburg-Vorpommern, Foto S. Trösch

Benutzte Literatur:

Gedeon, K., C. Grüneberg, A. Mitschke, C. Sudfeldt, W. Eikhorst, S. Fischer, M. Flade, S. Frick, I. Geiersberger, B. Koop, M. Kramer, T. Krüger, N. Roth, T. Ryslavy, S. Stübing, R. Sudmann, R. Steffens, F. Vökler und K. Witt (2014): Atlas Deutscher Brutvogelarten. Atlas of German Breeding Birds. Stiftung Vogelmonitoring Deutschland und Dachverband Deutscher Avifaunisten, Münster.

Keller, V., Herrando, S., Vorisek, P. et al. (2020): European Breeding Bird Atlas 2. Distribution, Abundance and Change. European Bird Census Council  & Lynx Edicions, Barcelona.

Svensson, L. & K. Mullarney, D. Zetterström (2023): Der Kosmos Vogelführer, 3. Auflage

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